Skip to content

Glossar · Industry

Knochenkohle

Knochenkohle ist ein aus Tierknochen hergestelltes Filtermaterial, das vor allem zur Entfärbung von Zucker verwendet wird.

Definition

Was „Knochenkohle" bedeutet

Knochenkohle wird durch Verkohlung von Tierknochen gewonnen und dient in der Lebensmittelindustrie als Filtermittel, um Rohzucker zu entfärben und zu reinigen. Sie wird auch bei der Herstellung von Gelatine oder anderen Produkten eingesetzt. Da sie tierischen Ursprungs ist, ist sie für Veganer und Vegetarier problematisch.

Im Detail

Die ausführliche Antwort

Knochenkohle ist ein schwarzes, poröses Material, das durch Verbrennen von Tierknochen unter Sauerstoffausschluss bei etwa 700–900 °C gewonnen wird. Sie wird hauptsächlich in der Zuckerindustrie als Filter- und Entfärbungsmittel eingesetzt. Verbraucher begegnen ihr indirekt, wenn sie raffinierten Haushaltszucker oder Produkte mit zugesetztem Zucker kaufen, da Knochenkohle oft zur Herstellung von weißem Kristallzucker verwendet wird.

Der Herstellungsprozess beginnt mit Knochen von Schlachttieren, meist Rindern, die entfettet, getrocknet und in Retorten verkohlt werden. Die entstehende Aktivkohle hat eine große Oberfläche mit Poren, die Farbstoffe, Asche und andere Verunreinigungen aus der Zuckerlösung bindet. Nach der Filtration wird die Kohle gereinigt und mehrfach wiederverwendet, bis sie erschöpft ist. In der EU und den USA ist der Einsatz von Knochenkohle in der Lebensmittelproduktion nicht kennzeichnungspflichtig, da sie als technisches Hilfsmittel gilt.

Für Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, ist Knochenkohle relevant, weil sie ein tierisches Produkt in der Verarbeitung von Alltagszucker darstellt. Es gibt jedoch Alternativen: Rübenzucker, Rohrzucker aus nachhaltigem Anbau oder unraffinierte Zuckerarten wie Kokosblütenzucker werden ohne Knochenkohle hergestellt. Die gesundheitlichen Bedenken sind gering, da die Kohle rückstandslos entfernt wird, aber ethische Fragen zur Nutzung von Tierprodukten bleiben bestehen.

Auf einen Blick

Kurz und knapp

Kurz und knappKnochenkohle
AspektDas Wichtigste
HauptanwendungEntfärbung von Rohrzucker
AusgangsmaterialRinderknochen aus Schlachtabfällen
KennzeichnungNicht kennzeichnungspflichtig in EU
Alternative VerfahrenAktivkohle aus Pflanzenkohle
VerbreitungHäufig in Nordamerika
SynonymeKnochenkohle, Tierkohle, animal charcoal

In der Praxis

Was das für dich bedeutet

  • Prüfen Sie bei weißem Zucker die Herkunft: Rübenzucker ist meist knochenkohlefrei, Rohrzucker oft nicht.
  • Greifen Sie zu unraffinierten Zuckern wie Vollrohrzucker, die ohne Knochenkohle hergestellt werden.
  • Fragen Sie im Restaurant oder Café nach, ob der verwendete Zucker tierfrei verarbeitet wurde.
  • Achten Sie bei verarbeiteten Produkten auf Zucker aus unbekannter Quelle – Bio-Zucker ist meist ohne Knochenkohle.

Fragen

Häufige Fragen

Ist in jedem weißen Zucker Knochenkohle enthalten?
Nein, nicht in jedem. Rübenzucker wird ohne Knochenkohle raffiniert, da Rübenzucker von Natur aus heller ist. Rohrzucker aus Übersee wird dagegen häufig mit Knochenkohle gebleicht. Achten Sie auf die Angabe 'Rübenzucker' oder kaufen Sie Bio-Zucker, der ohne tierische Hilfsstoffe hergestellt wird.
Kann ich Knochenkohle in der Zutatenliste erkennen?
Nein, Knochenkohle muss nicht als Zutat deklariert werden, da sie nur im Herstellungsprozess eingesetzt wird und nicht im Endprodukt enthalten ist. Sie gilt als technisches Hilfsmittel. Deshalb ist sie für Verbraucher unsichtbar. Nur durch Nachfragen beim Hersteller oder durch Zertifikate wie 'vegan' lässt sich Klarheit gewinnen.
Ist Knochenkohle gesundheitsschädlich?
Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand ist Knochenkohle im raffinierten Zucker gesundheitlich unbedenklich, da sie vollständig entfernt wird. Die Bedenken sind eher ethischer Natur: Für Veganer und Vegetarier ist der Einsatz von Tierknochen in der Lebensmittelproduktion problematisch. Wer dies vermeiden möchte, sollte zu Alternativen greifen.