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Glossar · Industry

Freilandhaltung

Eine Haltungsform, bei der landwirtschaftlich genutzte Tiere tagsüber uneingeschränkten Zugang zu einem Außengelände mit natürlichem Bewuchs haben.

Definition

Was „Freilandhaltung" bedeutet

Diese Methode ermöglicht Tieren wie Hühnern oder Schweinen die Ausübung natürlicher Verhaltensweisen wie Scharren oder Suhlen. Während die Freilandhaltung das Tierwohl durch Bewegung und frische Luft fördert, erfordert sie ein sorgfältiges Management zum Schutz vor Raubtieren und Parasiten sowie zur Einhaltung von Umweltschutzauflagen bezüglich des Nährstoffeintrags in den Boden.

Im Detail

Die ausführliche Antwort

Der Begriff Freilandhaltung bezeichnet ein Haltungssystem für Nutztiere, bei dem den Tieren tagsüber ein Zugang zu einem Außengelände gewährt wird. Verbraucher begegnen dieser Kennzeichnung am häufigsten bei Eiern und Geflügelfleisch im Supermarkt, wobei die gesetzlichen Anforderungen je nach Tierart stark variieren. Während der Begriff Bilder von idyllischen Wiesen evoziert, definiert er rechtlich primär eine Mindestfläche unter freiem Himmel, die zusätzlich zum Stallplatz zur Verfügung stehen muss, um natürliche Verhaltensweisen wie Scharren oder Picken zu ermöglichen.

In der Praxis der Eierproduktion schreibt die EU-Vermarktungsnorm vor, dass jeder Henne mindestens vier Quadratmeter Außenfläche zustehen müssen. Der Zugang erfolgt über Auslauföffnungen im Stall, die eine bestimmte Breite nicht unterschreiten dürfen. Kritisch zu betrachten ist hierbei die tatsächliche Nutzung: Da Hühner als ursprüngliche Waldtiere offene Flächen meiden, nutzen sie den Auslauf oft nur in Stallnähe, sofern keine schützenden Strukturen wie Bäume oder Sträucher vorhanden sind. Die Bodenbeschaffenheit im Auslauf muss zudem überwiegend bewachsen sein, um als echte Freilandhaltung zu gelten.

Für Konsumenten bietet die Freilandhaltung einen Kompromiss zwischen konventioneller Bodenhaltung und teureren Bio-Produkten, da sie zumindest theoretisch mehr Bewegungsfreiheit und Sonnenlicht garantiert. Dennoch ist Freilandhaltung nicht mit ökologischer Landwirtschaft gleichzusetzen, da weder das Futter noch der Einsatz von Medikamenten denselben strengen Regeln unterliegen. Wer Wert auf Tierwohl legt, sollte beachten, dass die reine Flächenvorgabe wenig über die Qualität der Betreuung oder die tatsächliche Strukturierung des Geländes aussagt, welche für das Wohlbefinden der Tiere entscheidend ist.

Auf einen Blick

Kurz und knapp

Kurz und knapp — Freilandhaltung
AspektDas Wichtigste
Mindestfläche Henne4 Quadratmeter pro Tier im Außenbereich
Kennzeichnung EiZiffer 1 als erste Stelle des Erzeugercodes
Rechtliche BasisEU-Vermarktungsnormen für Eier und Geflügelfleisch
AuslaufdauerUneingeschränkter Zugang während der Tagesstunden erforderlich

In der Praxis

Was das für dich bedeutet

  • Achten Sie beim Eierkauf auf die Ziffer 1 am Anfang des Stempels direkt auf der Schale für garantierte Freilandhaltung.
  • Prüfen Sie bei Geflügelfleisch genau, ob der Begriff gesetzlich geschützt ist oder lediglich als Marketing-Illustration ohne Zertifizierung dient.
  • Bevorzugen Sie Betriebe mit mobilen Ställen, da diese eine Übernutzung des Bodens verhindern und frisches Grün garantieren.
  • Hinterfragen Sie bei verarbeiteten Produkten wie Nudeln die Herkunft der Eier, da hier oft günstigere Bodenhaltung verwendet wird.

Fragen

Häufige Fragen

Ist Freilandhaltung das Gleiche wie Bio-Haltung?
Nein, es gibt wesentliche Unterschiede in der Bewirtschaftung. Während Freilandhaltung lediglich den Auslauf definiert, schreibt die Bio-Haltung zusätzlich ökologisches Futter, den Verzicht auf präventive Antibiotika und geringere Besatzdichten im Stall vor. Bio-Hennen haben zwar ebenfalls Auslauf, leben aber insgesamt unter strengeren ökologischen und ethischen Auflagen als konventionelle Freilandtiere.
Was passiert bei der Stallpflicht wegen Geflügelpest?
Bei behördlich angeordneter Stallpflicht dürfen die Tiere vorübergehend nicht ins Freie, um Infektionen durch Wildvögel zu vermeiden. Die Eier dürfen in der EU dennoch für eine Übergangsfrist von derzeit 16 Wochen weiterhin als Freilandeier vermarktet werden. Dauert die Aufstallung länger an, müssen die Eier rechtlich als Bodenhaltung deklariert werden.
Nutzen die Hühner den Platz im Freien wirklich?
Das hängt stark von der Gestaltung des Geländes ab. Ohne Deckung durch Hecken oder Unterstände trauen sich viele Tiere aus Angst vor Greifvögeln nicht weit vom Stall weg. Eine gute Freilandhaltung zeichnet sich daher durch eine strukturierte Auslauffläche aus, die den Tieren Sicherheit bietet und sie zur Nutzung der gesamten Fläche motiviert.