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Glossar · Environment

Güllelagune

Eine Güllelagune ist ein offenes Becken zur Lagerung von flüssigen Tierausscheidungen, das Umweltrisiken birgt.

Definition

Was „Güllelagune" bedeutet

Güllelagunen sind große, oft ungedeckte Erdbecken, in denen Gülle aus der Massentierhaltung gesammelt wird. Sie können bei Undichtigkeiten oder Überflutungen auslaufen, Grundwasser und Oberflächengewässer verschmutzen sowie klimaschädliche Gase wie Methan und Ammoniak freisetzen.

Im Detail

Die ausführliche Antwort

Eine Güllegrube ist ein offenes oder abgedecktes Becken zur Lagerung von flüssigen Ausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere, hauptsächlich Schweinen und Rindern. In der industriellen Tierhaltung werden diese Lagunen benötigt, weil die anfallenden Mengen an Kot und Urin die natürliche Düngerkapazität der umliegenden Felder übersteigen. Man findet sie vor allem in Regionen mit großer Viehdichte, etwa in Nordwestdeutschland oder den Niederlanden.

Die Gülle wird über Spaltenböden in unterirdische Kanäle gespült und dann in die Lagunen gepumpt. Dort zersetzen Bakterien die organische Substanz, wobei Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoff entstehen. Ein Teil der Lagunen ist mit einer Kunststofffolie abgedeckt, um Gerüche zu reduzieren und Methan für Biogasanlagen aufzufangen. Unbedeckte Lagunen geben diese Gase ungehindert an die Atmosphäre ab. Nach Monaten wird die Gülle auf Felder ausgebracht, oft zu Zeiten, in denen die Pflanzen sie nicht aufnehmen können.

Für Verbraucher ist die Güllegrube ein unsichtbarer, aber relevanter Kostenfaktor: Die Entsorgung der Gülle treibt den Preis tierischer Produkte künstlich niedrig, weil die Umweltfolgen externalisiert werden. Wer weniger Fleisch, Milch und Eier kauft, reduziert indirekt die Notwendigkeit solcher Lagunen. Allerdings ist die Umstellung auf pflanzliche Düngung nicht trivial, da Gülle auch Nährstoffe liefert, die in Kreislaufsystemen wertvoll sein können – nur in übermäßiger Konzentration wird sie zum Problem.

Auf einen Blick

Kurz und knapp

Kurz und knapp — Güllelagune
AspektDas Wichtigste
HauptbestandteileWasser, Stickstoff, Phosphor, Kalium
Typische Lagunengröße1.000 bis 50.000 Kubikmeter
Treibhausgas-EmissionMethan, Lachgas, Ammoniak
Rechtliche GrundlageDüngeverordnung (DüV) in DE
SynonymeGüllebecken, Güllelager, Güllebehälter

In der Praxis

Was das für dich bedeutet

  • Achten Sie auf Bio-Siegel mit Weidehaltung, die Gülleausbringung reduzieren und geschlossene Kreisläufe fördern.
  • Informieren Sie sich über regionale Initiativen zur Güllevergärung in Biogasanlagen, die Methanemissionen mindern.
  • Reduzieren Sie Ihren Konsum tierischer Produkte, um die Nachfrage nach Massentierhaltung und damit Güllelagunen zu senken.
  • Fragen Sie im Hofladen nach, ob der Betrieb Gülle in offenen Lagunen oder in geschlossenen Behältern lagert.

Fragen

Häufige Fragen

Warum stinkt eine Güllegrube so stark?
Der Gestank kommt hauptsächlich von Schwefelwasserstoff und Ammoniak, die bei der Zersetzung der organischen Stoffe entstehen. Offene Lagunen geben diese Gase direkt ab. Abdeckungen reduzieren die Geruchsbelästigung deutlich, sind aber teuer und nicht überall vorgeschrieben.
Kann Gülle aus Lagunen ins Grundwasser gelangen?
Ja, wenn die Lagune undicht ist oder bei starkem Regen überläuft. Dann gelangen Nitrat und Phosphor in den Boden und ins Grundwasser. Das belastet Trinkwasserreserven und führt zu Algenblüten in Gewässern. Moderne Lagunen haben eine dichte Folie, aber ältere Anlagen sind oft problematisch.
Ist Gülle aus Lagunen als Dünger sinnvoll?
Grundsätzlich ja, denn sie enthält wertvolle Nährstoffe. Das Problem ist die Überdüngung: In Regionen mit vielen Tieren fällt mehr Gülle an, als die Felder aufnehmen können. Wird sie dann zur falschen Jahreszeit ausgebracht, fließen die Nährstoffe ab statt ins Getreide. Eine bedarfsgerechte Ausbringung wäre ideal, ist aber schwer umsetzbar.